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Bericht: HSC - TV Großwallstadt

12.02.2018 - HSC Bad Neustadt

Die Kraft reicht nicht

Gut 40 Minuten lang durfte der HSC Bad Neustadt-Rhön im Spiel der Dritten Liga Ost gegen Spitzenreiter TV Großwallstadt vom großen Coup träumen. Dann ging den Gastgebern, die auf das verletzte Trio Jan Wicklein, Konstantin Singwald und Filip Milutinovic verzichten mussten, zunehmend die Kräfte aus, was in einer 21:26 (11:10)-Niederlage mündete. „Das war schade, aber nicht zu verhindern“, erklärte ein insgesamt doch zufriedener HSC-Coach Christoph Kolodziej in der Pressekonferenz.

Das sahen auch die Fans so, die keineswegs enttäuscht waren. Auch sie hatten erkannt, dass die Schützlinge von Manfred Hofmann in der Schlussphase einfach noch einmal eine Schippe drauf legen konnten und aus einem 14:17-Rückstand (41.) binnen zehn Minuten durch sechs Tore am Stück eine vorentscheidende 20:17-Führung machten. Die Gäste kamen vor ihren 100 mitgereisten Fans überhaupt nicht ins Spiel, leisteten sich in den Anfangsminuten technische Fehler (Spielmacher Niklas Geck) und gerieten nach Treffern ihrer früheren Vereinskameraden Martin Bieger und Maximilian Schmitt nach drei Minuten mit 0:2 in Rückstand. Der junge Tobias Raab sowie der Liga-Torschützenkönig Michael Spatz schafften während einer Zeitstrafe für Vilim Leskovec den 2:2-Ausgleich.

Doch dies beeindruckte die Hausherren, „die in der ersten Halbzeit in der Abwehr gigantisch standen und durch das frühe Heraustreten von Gary Hines das Aufbauspiel des designierten Meisters lahm legten“, so Kolodziej , wenig. Diese lagen bis zum 5:4 immer in Front, gerieten aber während einer Zeitstrafe für Hines – diese zwei Minuten bedeuteten die einzige Verschnaufpause für den stärksten HSC'ler an diesem Abend – mit 5:8 in Rückstand. In dieser Phase brachten sie die Kugel nicht am TV-Keeper Arturs Kugis vorbei, der dann binnen einer Minute doch zweimal hinter sich greifen musste. Beim Anschlusstreffer von Bieger allerdings ein letztes Mal. Nach dem 7:8, das Bieger bei einem Konter erzielte, kam es zunächst zum Zusammenprall zwischen dem Goalie und dem sehr auffälligen HSC-Linksaußen, den nachfolgenden Schubser des TV'lers werteten die sächsischen Unparteiischen als grobe Unsportlichkeit und zückten die rote Karte. Fortan stand Stefan Koppmeier zwischen den Pfosten. Er kassierte gleich drei Tore (Kleinhenz, Hines, Bieger), was seinen Coach beim Stand von 10:8 für den HSC zur Auszeit bewegte. Die Führung des Außenseiters hielt bis zum Kabinengang, was für Staunen unter den Zuschauern sorgte. Während die Verwunderung auf Seiten der heimischen positiv war, verabschiedeten die Trommler im Gäste-Block ihre Lieblinge mit der wenig schmeichelhaften Forderung: „Spielt endlich Handball.“ „Das hatten wir uns für die zweite Halbzeit auch vorgenommen“, erklärte nach dem Abpfiff TV-Mannschaftskapitän André Göpfert. „Was wir bis dahin gezeigt hatten, war schlecht. Wir haben uns zu viele technische Fehler geleistet.“ Der Start in den zweiten Abschnitt verlief aus Sicht Gästesicht wenig verheißungsvoll. Zunächst scheiterte der indisponierte Geck, der dann auf die Bank beordert wurde, am guten Nick Weber. Dieser schickte zweimal hintereinander Gary Hines auf die Reise, der das Polster auf 13:10 ausbaute.

„Mit unserem Konterspiel war ich zufrieden“, erklärte sein Coach, „in dieser Hinsicht wollten wir uns verbessern und haben uns verbessert“. Das zwischenzeitliche 13:11 durch den weitgehend abgemeldeten Dino Corak mündete in eine 15:11-Führung der Rot-Weißen, der nun für Benedikt Kleinhenz auf der Rechtsaußenposition eingesetzte Adam Pal lochte zweimal clever ein. Der Vorsprung hielt bis zur 40. Minute. Als Hines in Unterzahl zum 17:14 traf, lag die Überraschung in der Luft. „Doch dann hat unsere Deckungsarbeit immer besser funktioniert“, analysierte Göpfert in der Pressekonferenz. Göpfert war höchstpersönlich an der Wende beteiligt. Vor der Pause nur Bankdrücker, kam er auf der Linksaußenposition zum Einsatz und ließ die HSC-Deckung mit sechs Treffern nicht gut aussehen. Im HSC-Angriff lief es dagegen immer unbefriedigender. „Wir litten, was jeder gesehen hat, unter einem zunehmenden Kräfteverschleiß. Gary Hines erhielt dann auch zu wenig Unterstützung aus dem Rückraum“, so Kolodziej. Zehn Minuten vor Spielende lag der Favorit nach sechs Treffern in Folge mit 20:17 in Führung.

Der folgende Torhüterwechsel von Weber zu Felix Schmidl zeigte keine Wirkung, zumal kurz darauf der Abwehrchef Franziskus Gerr nach der dritten Zeitstrafe frühzeitig unter die Dusche musste. Das Gleiche widerfuhr wenig später auf der Gegenseite Tom Spieß. Doch da lagen die Gäste nach einem erfolgreichen Tempogegenstoß von Spatz, der erst nach dem Seitenwechsel so richtig auf Touren kam, uneinholbar mit 24:18 in Führung. Der Ex-Nationalspieler legte mit einem Siebenmeter sofort nach. Mit dem einzigen dem HSC zugesprochenen Strafwurf sorgte Hines für den Endstand. „Erst einmal ein Kompliment an meine Mannschaft“, bilanzierte Christoph Kolodziej. „Was sie in den ersten 40 Minuten gezeigt hat, war einfach klasse. Die taktische Vorgabe wurde sowohl in der Abwehr wie auch im Angriff sehr gut umgesetzt. Leider konnten wir diese Leistung ab der 40. Minute nicht stabilisieren, da sind uns schlichtweg die Körner ausgegangen. Großwallstadt, das auf allen Positionen doppelt und stark besetzt ist, kam so immer besser ins Spiel. Die Mannschaft steht nicht umsonst an der Tabellenspitze.“

Die Statistik des Spiels Dritte Liga Ost

HSC Bad Neustadt-Rhön – TV Großwallstadt 21:26 (11:10)

Bad Neustadt: Weber (1.-49.), Schmidl (ab 50.) – Schmitt 1, Kleinhenz 1, Wolf 1, Hines 8/1, Riesenberger, Bieger 6, Pal 2, Kalliske, Gerr 1, Leskovec 1.

Großwallstadt: Kugis (1.-22.), Koppmeier (ab 23.), Pondensek (n. e.) – Spatz 9/4, Geck, Blank, Raab 2, Schnellbacher (n. e.), Corak 2, Stark 5, T. Spieß 3, Winkler, Göpfert 5.

Siebenmeter: 1/1 – 4/4.

Zeitstrafen: 14 Minuten (Disqualifikation Franziskus Gerr/52.) – 12 (Rot: Arturs Kugis/22., Disqualifikation T. Spieß/54.).

Schiedsrichter: Friedel/Herrmann (Aue). Zuschauer: 773. Spielfilm: 2:1 (5.), 4:3 (10.), 5:6 (15.), 5:8 (20.), 8:8 (25.), 11:10 (30.) – 15:11 (35.), 16:13 (40.), 17:17 (45.), 17:20 (50.), 18:24 (55.), 21:26.

Quelle: Mainpost

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